(3) Kleiner Ritter Roland


"Hallo Du da!" sprach der goldene Ritter zu Roland. "Was machst Du so alleine hier draussen, so fern von Deinem Dorf?" Er hatte eine so freundliche Stimme, dass Roland sogleich seine ganze Angst verlor. "Ich komme an einem so schönen Tag immer zu meinem Lieblingsbaum. Es ist so ruhig hier draussen, man hört nur die Tiere!" "Ja ich weiss was du meinst - die Natur erfreut einen sehr und man kann die ganz Unruhe und den Lärm der Dörfer und Städte ein wenig vergessen".

Dann fragte der goldene Ritter Roland nach seinem Namen und woher er kam, wie es ihm im Dorfe erging. Und er sagte auch, das er Francois (das spricht man Frozwa) heisse, was ein französischer Name sei. Und sein weisses Pferd wieherte dazu im langsamen Sonnenuntergang - es klang wie ein fröhliches Lachen.



Da schüttete Roland dem Ritter Francois sein Herz aus und erzählte von den bösen schwarzen Rittern des Fürsten, die ihnen die letzten Kühe und Schweine genommen hatten. Das seine Mutter versuchte den Rest des Getreides zu retten, weil doch bei dem schrecklichen Regen so viel verdorben war. Und erzählte von seinen Freunden, die alle so dünn und traurig waren, weil sie zu wenig zu Essen hatten und keiner so richtig wusste, was er wohl einmal tun würde, wenn er groß war. Und am Schluss sagte Roland dann ganz bewundernd: "So eine schöne Rüstung, würde ich gerne auch einmal tragen! - Wenn er ein Ritter wäre, würde er die bösen schwarzen Ritter vertreiben und dem Fürsten einmal gehörig die Meinung sagen!"

Der goldene Ritter Francois antwortete: "Lieber Roland, auch du kannst ein edler Ritter werden, doch dann musst du einiges lernen! Ritter sein ist nicht sehr einfach - man lernt nicht nur zu kämpfen und mit dem Pferd durch Wald und Feld zu reiten. Du musst auch lernen, wie man einer Dame begegnet und wie man einen Fürsten und einen König berät! Du würdes auch lernen zu schreiben und vieles mehr. Das ist eine lange und schwierige Schule. Da kann man nicht mehr nur auf den Feldern herum tollen! Auch schwarze böse Ritter zu vertreiben ist nicht nur eine Sache des Kämpfens. Kampf ist nicht die erste Wahl eines edlen Ritters, sondern Verhandlung und die Suche nach Frieden."

Da lächelte Roland dem Ritter zu und sagte: "Lieber Ritter Francois - wo kann ich das alles lernen? Ich möchte ein so edler und schöner Ritter werden wie Du!" Francois lächelte. "Drehe dich einmal um!" Und Roland erblickte sogleich hinter sich einen Ritterhelm im Gras - er war aus Eisen und glänzte kaum.

"Ich möchte, dass du diesen Helm bis nächste Woche polierst! Ich werde dann hier auf dich warten - und wir sehen weiter. Doch jetzt gehe erst einmal heim - denn die Sonne geht jetzt gleich ganz unter und es wird kalt und dunkel."

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